Die aktuelle Arbeitsmarktlage und Entwicklung in Deutschland

Der Arbeitsmarkt im November 2015 zeige eine gute Lage und Entwicklung. Neben gesunkenen Arbeitslosenzahlen könne ein Anstieg der Erwerbstätigkeit sowie eine höhere Beschäftigung verzeichnet werden, so (BA), Frank-J. Weise, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit.

Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und Erwerbslosigkeit in Deutschland

Die Arbeitslosenzahlen sind von Oktober auf November 2015 um 16.000 auf 2.633.000 Menschen gesunken. Saisonbereinigt ist das ein Rückgang um 13.000 im Vergleich zum Vormonat. Auch gegenüber dem Vorjahr ist der Rückgang ersichtlich. 2014 waren hier 84.000 Menschen weniger arbeitssuchend.

In Bezug auf die Unterbeschäftigung sieht man ebenfalls eine positive Entwicklung. Als unterbeschäftigt zählen auch Personen die sich in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sowie in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit befinden. Hier kann saisonbereinigt ein Minus von 8.000 verzeichnet werden. Insgesamt galten 3.482.000 Personen im November 2015 als unterbeschäftigt – 154.000 weniger als im Vorjahr.

Die nach dem ILO (International-Labour-Organization) – Erwerbskonzept vom Statistischen Bundesamt ermittelte Erwerbslosigkeit betrug im Oktober 2015 1,86 Millionen. Die Erwerbslosenquote lag bei 4,4 %.

Unterschied Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit

Die Arbeitsmarktstatistik nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) und die Statistik nach dem ILO-Erwerbsstatuskonzept unterscheiden sich im Bezug auf die Definition von Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit im Detail.

In beiden Fällen zählen Personen zu Arbeitslosen oder Erwerbslosen, wenn sie ohne Arbeit sind, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen sowie Arbeit suchen. Trotzdem fällt die Arbeitslosigkeit der SGB-Arbeitsmarktstatistik höher aus als die Erwerbslosigkeit des ILO-Erwerbsstatuskonzepts. Der Grund dafür ist die unterschiedliche Definition der Begriffsmerkmale.

Die Unterschiede:

  • Erhebungsmethoden
  • Altersabgrenzung
  • Aktive Arbeitssuche
  • Verfügbarkeit
  • Das Ein-Stunden-Kriterium

Laut ILO zählt jeder als erwerbstätig, der pro Woche wenigstens eine Stunde erwerbstätig war. Zudem reicht bereits die Suche nach einer Tätigkeit von wenigstens einer Stunde, um als Erwerbsloser zu gelten. Im Gegensatz dazu wird die Arbeitslosigkeit im Sozialgesetzbuch auch bei einer Beschäftigung von weniger als 15 Wochenstunden nicht ausgeschlossen. Das SGB fordert aber die Suche nach einer Beschäftigung von mind. 15 Stunden pro Woche.

  • Teilnahme an einer Maßnahme der aktiven Arbeitsmarktpolitik

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung für Arbeitssuchende in Deutschland

Im Vergleich zum November des Vorjahres waren im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) im November 2015 764.000 Menschen als arbeitslos gemeldet. Das ist ein Rückgang von 70.000. 748.000 Personen erhielten in diesem November Arbeitslosengeld, 50.000 weniger als vor einem Jahr.

Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II betrug im November 4.297.000. Gegenüber November des letzten Jahres ist das ein Rückgang von 13.000. Bezüglich der Grundsicherung für Arbeitssuchende waren 1.869.000 Personen arbeitslos gemeldet, 13.000 weniger als 2014.

Arbeitskräftenachfrage in Deutschland

Auch die Arbeitskräftenachfrage in Deutschland steigt. Im Gegensatz zum November 2014 waren dieses Jahr 96.000 mehr Arbeitsstellen bei der Bundesagentur für Arbeit ausgeschrieben.

Besonders gefragt waren, sicherlich auch aufgrund des Weihnachtsgeschäfts, Personen in den Berufsfeldern Verkehr, Logistik und Verkauf. Aber auch Berufe in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik, Metallerzeugung, -bearbeitung, Metallbau, Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik sowie medizinische Gesundheitsberufe sind von Bedeutung. Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X) – welcher einen Indikator für die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland darstellt– stieg im November 2015 um vier auf insgesamt 206 Punkte.


(BA), Frank-J. Weise
(BA), Frank-J. Weise (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)
(BA), Frank-J. Weise (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

Frank-Jürgen Weise, geboren am 08.10.1951 in Radebeul.

Nachdem er zuerst als Verantwortlicher für Finanzen in den Vorstand berufen wurde, wurde Weise am 6. Februar 2004 Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit. Zusätzlich ist er seit April 2014 Vorstandschef der Hertie-Stiftung und seit September 2015 Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

 

Arbeitskosten je geleisteter Stunde im europäischen Vergleich

Laut Daten des Statistischen Bundesamtes liegt das Arbeitskostenniveau Deutschlands im europäischen Vergleich lediglich auf Rang acht. Deutsche Arbeitgeber der Privatwirtschaft zahlten im Jahr 2014 ihren Arbeitnehmern durchschnittlich 31,80 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde. Damit gaben die deutschen Arbeitgeber 30% mehr für eine Stunde Arbeit als der EU-Durchschnitt aus.

Die gemessenen Arbeitskosten setzen sich aus den Bruttoverdiensten der Arbeitnehmer in Verbindung mit den Lohnnebenkosten zusammen. Hauptbestandteil der Lohnnebenkosten sind die Sozialbeiträge der Arbeitgeber, also vor allem die gesetzlichen Arbeitgeberbeiträge, Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung sowie die Aufwendungen für die Lohn- und Gehaltsfortzahlungen im Krankheitsfall.

Die deutschen Arbeitgeber in Deutschland zahlten im Jahr 2014 pro 100 Euro Bruttoverdienst lediglich 28 Euro an Lohnnebenkosten. Damit lagen die Lohnnebenkosten innerhalb Deutschlands sogar unter dem EU-Durchschnitt von 31 Euro. Insgesamt rangiert Deutschland mit diesem Wert europaweit auf Platz 15.

Bulgarien mit den niedrigsten Arbeitskosten

In Bulgarien ist das Arbeitskostenniveau europaweit am niedrigsten. Lediglich 3,80 Euro wird im Balkan-Staat pro geleisteter Arbeitsstunde gezahlt. Bulgarische Arbeitgeber zahlen also überschaubare 15,7 % der Arbeitskosten des EU-Durchschnitts von 24,40 Euro und liegen damit weit abgeschlagen am Ende der Rangliste. Den vorletzten Platz belegt Rumänien mit 4,80 Euro hinter Litauen mit 6,60 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde.

Auch bei den Lohnnebenkosten rangiert Bulgarien mit 19 Euro pro 100 Euro Bruttoverdienst auf den hinteren Rängen. Lediglich Arbeitgeber in Malta, Dänemark, Luxemburg, Slowenien, Kroatien und Irland zahlen geringere Lohnnebenkosten. Spitzenreiter in dieser Kategorie ist Frankreich mit 47 Euro Lohnnebenkosten pro 100 Euro Bruttoverdienst.

Umfangreiche Informationen zum bulgarischen Arbeitsmarkt finden Sie auf dem Balkaninvest-Blog.

Skandinavier im oberen Bereich

Die skandinavischen Staaten Dänemark und Schweden belegen in der Statistik des Statistischen Bundesamtes obere Plätze. Dänische Unternehmen zahlen mit 42 Euro pro Arbeitsstunde den höchsten Betrag aller Euro-Staaten. Schwedische Arbeitgeber folgen mit 40,20 Euro hinter Belgien (41,10 Euro) knapp auf Platz drei. Luxemburg rangiert mit einigem Abstand (35,70 Euro) auf dem vierten Platz.
Während schwedische Arbeitgeber auch bei den Lohnnebenkosten im Verhältnis zu den Bruttoverdiensten auf den vorderen Plätzen liegen, nehmen dänische Unternehmen hier mit 15 Euro Lohnnebenkosten pro 100 Euro Bruttoverdienst den vorletzten Platz ein. Schweden rangiert mit 46 Euro Lohnnebenkosten pro 100 Euro Bruttoverdienst hinter Frankreich (47 Euro) und vor Belgien (44 Euro) auf dem zweiten Platz.

Malteser zahlen niedrigste Lohnnebenkosten

Die mit Abstand geringsten Lohnnebenkosten zahlen maltesische Arbeitgeber. Lediglich 9 Euro pro 100 Euro Bruttoverdienst wird im Insel-Staat pro geleisteter Arbeitsstunde gezahlt. Maltesische Arbeitgeber zahlen hiermit nur rund 29 % der durchschnittlichen Lohnnebenkosten von 31 Euro innerhalb der EU.

Hohe Lohnnebenkosten zahlen neben französischen, schwedischen und belgischen Unternehmen auch litauische Arbeitgeber mit 41 Euro pro 100 Euro Bruttoverdienst. Auf dem fünften Platz folgt Italien mit 39 Euro sowie auf dem sechsten Platz die Tschechische Republik mit 37 Euro.

Wieder über 3 Millionen ohne Arbeit

Laut Bundesagentur für Arbeit wurden im Januar 268.000 mehr Arbeitslose gezählt als im Vormonat. Insgesamt ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen damit auf 3,032 Millionen gestiegen. Gegenüber Januar 2014 ist das ein Rückgang um 104.000. Die Arbeitslosenquote beträgt nun 7,0 Prozent.

Erstmals seit März 2014 sind Deutschland also wieder mehr als drei Millionen Menschen als arbeitslos registriert. Im Januar verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) 3,032 Millionen Arbeitslose. BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte in Nürnberg, der Anstieg sei allein der üblichen Winterpause geschuldet.

Weit von Vollbeschäftigung entfernt

Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Erwerbslosenzahl um 9000 zurück. Von einer Vollbeschäftigung ist Deutschland aber noch sehr weit entfernt! Zu berücksichtigen ist auch das Faktor Unterbeschäftigung.

Dieses bislang „ungenutzte Arbeitskräftepotenzial“ von 15- bis 74-Jährigen hat das Statistische Bundesamt zuletzt für 2011 nach den Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation ILO ermittelt und ist auf 7,4 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gekommen. Hierbei werden nicht nur als arbeitslos gemeldete Menschen gezählt, sondern auch solche, die bereits arbeiten, aber gerne mehr arbeiten würden (Vollzeit statt Teilzeit) oder die auf eine Arbeitslosenmeldung aus verschiedenen Gründen verzichten.

Aktuelle Grafik zum Stellenindex BA-X

Da wir im letzten Artikel von einem abflauenden Boom auf dem deutschen Arbeitsmarkt berichtet hatten, ist es Zeit, dies durch weiteres Zahlenmaterial zu belegen. Der monatlich durch die Bundesagentur für Arbeit erhobene Stellenindex BA-X ist ein Indikator, aus dem sich das Angebot an freien Arbeitsplätzen in Deutschland erkennen lässt. Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte, daher soll die Grafik zum Stellenindex BA-X  (Stand: Mai 2012) hier einfach einmal für sich sprechen.

Der Stellenindex BA-X zeigt Anfang 2012 keine klare Richtung mehr.
Der Stellenindex BA-X zeigt Anfang 2012 keine klare Richtung mehr.

 

Leicht kann aus der Grafik abgelesen werden, dass der BA-X seinen Aufwärtstrend, der im gesamten Jahr 2012 vorhanden war, offensichtlich verloren hat. Der BA-X beruht auf konkreten Stellengesuchen der Unternehmen. Die BA stellt den Stellenindex folgendermaßen dar:

Er signalisiert die Einstellungsbereitschaft in Deutschland und bildet die Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage am ersten Arbeitsmarkt ab. In den saisonbereinigten Index fließen die bei der BA gemeldeten ungeförderten Arbeitsstellen, die Stellen für Freiberufler und Selbständige sowie die gemeldeten Stellen aus der privaten Arbeitsvermittlung ein.

Auch wenn es im Mai – verglichen mit dem April – etwas aufwärts ging (und da saisonale Faktoren heraus gerechnet sind, verbesserte sich das Arbeitsplatzangebot demnach leicht) – die Zeiten des Aufschwungs am Arbeitsmarkt sind erst einmal vorbei. Er verharrt auf einem – zugegebenermaßen hohen – Niveau. Dadurch dürften auch die Hoffnungen, dass sich die Arbeitslosigkeit weiter merklich reduziert, in Luft auflösen. Auch der demographische Wandel, also die Tatsache, dass mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden als neue eintreten, wir d die Arbeitslosigkeit in 2012 nur langsam abschmelzen lassen.

Boom am Arbeitsmarkt schwächt sich im Mai 2012 ab

Nach den gestern veröffentlichen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ist Arbeitslosigkeit vom April auf Mai 2012 um 108.000 auf 2.855.000 zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr reduzierte sich die Anzahl der arbeitslosen Menschen damit um 105.000.

Saisonbereinigt, das heißt wenn die saisonalen Faktoren aus den Zahlen heraus gerechnet werden,  hat sich die Arbeitslosigkeit jedoch nicht verändert. Diese Entwicklung war bereits in den letzten Monaten erkennbar, die Arbeitsagentur macht für den abgeschwächte Rückgang der Arbeitslosigkeit auch den geringeren Einsatz von Arbeitsmarktpolitik verantwortlich. Die konjunkturellen Kräfte haben den Einfluss dieses Rückgangs auf die Arbeitslosigkeit nicht mehr kompensieren können, wobei die positive Grundtendenz aber bestehen bleibt.

Dem Faktor „geringere Einsatz von Arbeitsmarktpolitik“ kann man auch den zurückhaltend ausgegebenen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein zurechnen. Hierzu werden wir bald eine aktuelle Statistik veröffentlichen.

Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben weiter zugenommen und liegen deutlich über dem Vorjahresniveau. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Erwerbstätigen im April gegenüber dem Vorjahr um 572.000 auf 41,42 Millionen gestiegen

Die Nachfrage nach Arbeitskräften bewegt sich auf hohem Niveau. Im Mai belief sich der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen auf 499.000, 29.000 mehr als im Vorjahr. Besonders gesucht sind zurzeit Fachleute in den Bereichen Mechatronik, Elektro, Metall, Maschinen-/Fahrzeugbau, Logistik, Gesundheit und Handel. Der Stellenindex der BA, der BA-X, ist von April auf Mai um zwei auf 173 Punkte gestiegen, gegenüber dem Vorjahr liegt er mit acht Punkten im Plus.

 

BA-X mit neuem Spitzenwert im September

Der durch die Bundesagentur für Arbeit erhobene Stellenindex BA-X hat im September einen neuen Höchstwert erreicht: Mit 171 lag der Indikator um einen Punkt über dem Wert des Vormonats. Im Mai, als wir zuletzt über den BA-X berichtet hatten, betrug der Wert noch 164.

Entwicklung des Stellenindex BA-X
Entwicklung des Stellenindex BA-X

Der Trend des Stellenindex zeigt also weiterhin nach oben, auch wenn hin und wieder leichte Rückgänge zu verzeichnen sind. Dies lässt hoffen auf eine weiter positive Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt, auch wenn konjunkturelle Frühindikatoren darauf hinweisen, dass der wirtschaftliche Aufschwung deutlich an Fahrt verloren hat. Der Arbeitsmarkt folgt dieser Entwicklung üblicherweise mit einer Verzögerung von etwa einem halben Jahr. Somit könnte sich der BA-X in den Wintermonaten auch über mehrere Monate negativ entwickeln, aber das bleibt natürlich abzuwarten: Zu ungewiss sind die makroökonomischen Einflüsse, insbesondere die Krise in einigen südeuropäischen Euro-Mitgliedsstaaten, insbesondere in Griechenland.

Arbeitslosigkeit unter drei Millionen im Mai

Die Zahl der Arbeitslosen ist in Deutschland im Monat Mai um 118.000 gesunken. Damit wurde bei insgesamt 2.960.000 gemeldeten Arbeitslosen zum ersten Mal in diesem Jahr die psychologisch wichtige Drei-Millionen-Marke unterschritten. Verglichen mit dem Vorjahresmonat betrug der Rückgang 276.000. Daraus ergibt sich eine Arbeitslosenquote von derzeit 7,0 Prozent – ein durchaus erfreulicher Wert.

Aber zu übertriebenem Optimismus ist kein Anlaß, denn die Arbeitsagentur schreibt außerdem in der gestrigen Pressemitteilung:

Der Rückgang war schwächer als in den vergangenen Jahren. Das dürfte daran liegen, dass ein Großteil der Frühjahrsbelebung aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung und der milden Witterung schon früher realisiert wurde. Das Saisonbereinigungsverfahren errechnet für den Mai ein Minus von 8.000.

Hier muss aber auch auf die zurückgehenden Entlastungsmaßnahmen der Arbeitsmarktpolitik wie das kaum mehr nachgefragte Kurzarbeitergeld hingewiesen werden.

Der Stellenindex BA-X, der das Angebot an freien Stellen in Deutschland abbildet, nahm jedoch gegenüber dem Vormonat leicht ab und fiel wieder auf den Wert von 164 Punkten zurück, die er bereits im Februar 2011 hatte. Hier scheint „die Luft raus“ zu sein, anhand der Grafik wird deutlich, dass die Wachstumsdynamik des BA-X, die man hier anhand der Werte ab Anfang 2010 schön beobachten kann, in 2011 zum Erliegen gekommen ist.

Stellenindex BA-X im Mai 2011
Stellenindex BA-X im Mai 2011

Die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit auf zwölf Jahre in den beiden bevölkerungsreichen Bundesländern Bayern und Niedersachsen sowie der Wegfall der Wehrpflicht wird in den nächsten Monaten den Ausbildungsmarkt durcheinanderwirbeln – und auch für Probleme in den Universitäten sorgen.

Die Arbeitsagentur zur Situation auf dem Ausbildungsmarkt:

Die Zahl der noch unbesetzten Ausbildungsstellen lag im Mai mit 197.700 um 26.200 über dem Vorjahreswert. Als noch unversorgt zählten Mai 210.900 Bewerber, 11.900 weniger als im Vorjahr.

Allerdings ist es noch verfrüht, anhand dieser Daten eine sichere Einschätzung zur weiteren Entwicklung auf dem Ausbildungsstellenmarkt zu geben. Zwar liegen die Zahlen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge über den Vorjahreswerten. Aber noch ist nicht abzuschätzen, ob es hierbei um einen Vorzieheffekt handelt. Ausbildungsbetriebe könnten sich angesichts weniger Bewerber frühzeitiger für Auszubildende entscheiden.

 

Weise: Mehr als 2 Millionen ausländische Fachkräfte bis 2025 notwendig

Der Vorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank Weise, hat sich in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ für eine verstärkte Anwerbung von qualifizierten Fachkräften im Ausland ausgesprochen. Anders sei der zu erwartende Mangel an Fachkräften nicht zu bewältigen.

Frank Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit
Frank Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit

Bis zum Jahr 2025 werde in der deutschen Wirtschaft ein Bedarf an Fachkräften in einer Größenordnung von sechs bis sieben Millionen entstanden sein. Dieser lasse sich „über das Mobilisieren von Arbeitskräften bei uns im Lande vielleicht zur Hälfte füllen“, so Weise.

Er wies auf das Potenzial hin, das erziehende Mütter darstellen, die mangels adäquater Kinderbetreungsangebot nicht für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Auch bei den Langzeitarbeitslosen sieht er Chancen, Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt zu gewinnen. Derzeit sind bei im Mai 2011 vermutlich wieder unter drei Millionen Arbeitslosen etwa 30 Prozent kurzzeitarbeitslos. „Der Rest, also mehr als zwei Drittel, sind Hartz-IV-Empfänger, die oft schwieriger zu vermitteln sind“, so Weise.

Fachkräfte müssen im Ausland gewonnen werden, damit Wirtschaft weiter wachse

„Im schlimmsten Fall werden die Firmen verlagern, also dahin gehen, wo Fachkräfte sind, und sie werden rationalisieren, um auf weniger Fachkräfte angewiesen zu sein“ befürchtet Weise. „Doch auch dann werden der Wirtschaft immer noch mehr als zwei Millionen qualifizierte Arbeitskräfte fehlen. Die müssen im Ausland gewonnen und hierzulande integriert werden, damit unsere Wirtschaft weiter gut wachsen kann.“

Weiter kritisiert der Bundesagenturchef den überbordenden Gebrauch der sogenannten Ein-Euro-Jobber. Die durch die Politik gewollte Zurückführung dieser Maßnahme bezeichnet er als richtig.

Bezug nehmend auf die Zeitarbeit, die derzeit wieder boomt, äußert sich Weise gespalten. Einerseits sei diese wichtig, um Auftragsspitzen abzudecken. Der Jobmotor seien jedoch die festen Beschäftigungsverhältnisse. Die Tatsache, dass in Deutschland bald wieder eine Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als Zeitarbeiter beschäftigt seien, bezeichnet Weise als kritisch. Diese Entwicklung hätte Rückwirkungen auf die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, „weil bei Zeitarbeit die Tätigkeit und damit die Beitragszahlung oft unterbrochen werden. Man müsste sich fragen, ob eine solche Entwicklung im Sinne der sozialen Marktwirtschaft ist.“

Für das eigene Haus, die Bundesagentur für Arbeit, stellte Weise einen Stellenabbau von 10.000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2015 in Aussicht. Angesichts zurückgehender Haushaltsmittel – bis 2013/14 müssen sieben Milliarden Euro eingespart werden – helfe auch die anziehende Konjunktur und die dadurch steigenden Beiträge nur zum Teil bei der Finanzierung der Arbeitsagentur. Ohne Einsparungen werde es bei der Bundesagentur für Arbeit ein Defizit geben. Beitragserhöhungen lehnte Weise jedoch ab, da diese den wirtschaftlichen Aufschwung gefährden könnten.

Wirtschaftsweise: Gute Aussicht für Arbeitsmarkt

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, umgangssprachlich als Rat der „Wirtschaftsweisen“  bekannt, legte heute sein Jahresgutachten 2010/11 mit dem Titel Chancen für einen stabilen Aufschwung vor. In den Gutachten wird regelmäßig eine Darstellung der wirtschaftlichen Lage und deren absehbaren Entwicklung skizziert. Der Sachverständigenrat, den es bereits seit 1963 gibt, besteht aus fünf Mitgliedern: Aktuell gehören dem Rat Herr Prof. Wolfgang Franz als Vorsitzender, Prof. Peter Bofinger, Prof. Christoph M. Schmidt, Prof. Wolfang Wiegard und Prof. Beatrice Weder di Mauro an.

Was können wir dem aktuellen Gutachten nun aus der Sicht eines Personalvermittlers entnehmen? Wie der Titel bereits andeutet, geben sich die Wirtschaftsweisen recht optimistisch. Auch was den Arbeitsmarkt angeht sehen sie einige Anzeichen für eine weitere Verbesserung, also ein höheres Beschäftigungsniveau bei sinkenden Arbeitslosenzahlen:

Der Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2010 unerwartet positiv entwickelt. Die jahresdurchschnittliche Anzahl der Arbeitslosen belief sich auf 3,2 Millionen Personen, die Beschäftigung stieg auf fast 40,5 Millionen Erwerbstätige an. Die Kurzarbeit ging massiv zurück. Im Jahr 2011 wird sich die Lage voraussichtlich weiter entspannen. (S. 257)

Der Bericht weist auf die erfreulichen Arbeitslosenzahlen hin, ohne die Effekte einer statistischen Neuberechnung zu vergessen, die die Zahlen kleiner erscheinen lassen, als sie es tatsächlich sind:

Entgegen den Befürchtungen, die Anzahl der registriert Arbeitslosen könnte im Jahr 2010 in Deutschland wieder knapp 5 Millionen Personen erreichen (OECD, 2009), ist sie im Oktober 2010 erstmals seit 18 Jahren auf
unter drei Millionen Personen gesunken. Zu diesem günstigen Ergebnis hat allerdings ein statistischer Effekt beigetragen, denn seit dem Jahr 2009 werden Arbeitslose, die in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen durch externe Dritte betreut werden, nicht mehr als registriert Arbeitslose erfasst. (S.258)

Langfristig positive Entwicklungen seien durch die Wirtschaftskrise nur unterbrochen worden und setzten sich nun weiter fort:

Die Belebung auf dem Arbeitsmarkt nahm im Jahr 2010 – nach einer leichten Abschwächung im Jahr 2009 – wieder zu. Besonders die Vielzahl der (Langzeit-) Arbeitslosen, die im ersten Halbjahr 2010 wieder eine Beschäftigung gefunden haben, stimmt positiv. Die Dynamisierung des Arbeitsmarkts in Folge der Reformen am Arbeitsmarkt scheint damit durch die Krise nur kurz unterbrochen worden zu sein und dürfte noch nicht abgeschlossen sein. (S.259)

Dem Bericht ist auch zu entnehmen, dass das Kurzarbeit-Volumen deutlich zurückgegangen ist:

Die Anzahl der Kurzarbeiter ist seit dem Höchststand im Mai 2009 bis April 2010 von 1,47 Millionen Personen auf 631 000 Personen zurückgegangen. In Vollzeitäquivalenten gemessen, hat die Kurzarbeit seit dem Höchststand im April 2009 bis April 2010 um mehr als die Hälfte abgenommen und belief sich im April 2010 auf 193 000 Kurzarbeiter. Inwieweit mit dem Rückgang der Kurzarbeiter Entlassungen verbunden waren oder die Kurzarbeiter
wieder Vollzeit im Unternehmen beschäftigt wurden, lässt sich aufgrund fehlender Daten nicht belegen. Zu vermuten ist, dass ohne Kurzarbeit die Arbeitslosigkeit stärker angestiegen wäre. (S.261)

Zuletzt sei noch auf diese interessante Grafik verwiesen, die ebenfall dem Jahresgutachten 2010/11 der Wirtschaftsweisen entnommen ist:

Prognose für den Arbeitsmarkt 2011
Prognose für den Arbeitsmarkt 2011

Auch hier ist erkennbar: Die Krise scheint überwunden, der Arbeitsmarkt funktioniert wieder und viele Branchen stellen ein.

Hier geht es weiter zum Internetauftritt des Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Dort können Sie auch die komplette Fassung des Berichts 2010/2011 abrufen.

Aufschwung am Arbeitsmarkt: Welche Branchen stellen ein

Die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt hellt sich immer weiter auf.  Seitens der Bundesregierung wird in diesem Jahr mit einem Absinken der Arbeitslosigkeit um 190.000 auf 3,2 Millionen gerechnet. 2011 werde die Zahl der Arbeitslosen dann im Jahresschnitt auf 2,9 Millionen sinken – die psychologisch wichtige Drei-Millionen-Marke dürfte damit deutlich unterschritten werden. „Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich vom Sorgenkind zum Musterschüler entwickelt, auch im internationalen Vergleich“, gibt sich Bundeswirtschaftminister Brüderle zuversichtlich.Der Aufschwung scheint am Arbeitsmarkt angekommen zu sein.

DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben (Foto: DIHK)
DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben (Foto: DIHK)

Auch der Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) geht mittlerweile von einem nachhaltigen Aufwärtstrend aus: „Der Aufschwung wird selbsttragend“, so DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, als er die Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage gemeinsam mit DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier in Berlin präsentierte. „Angeschoben von den Exporterfolgen zieht die Binnennachfrage in den nächsten Monaten verstärkt an.“

Aus der Umfrage, die auf der Seite des DIHK abrufbar ist, lassen sich auch Informationen zur Arbeitsmarktentwicklung ziehen. Die teilnehmden Unternehmen wurden im August/September 2010 nach ihren Beschäftigungsplänen gefragt. 19 Prozent gaben an, dass sie eine steigende Anzahl an Beschäftigten in ihrem Betrieb planen, bei 69 Prozent  beabsichtigte man konstante Mitarbeitsrzahlen. Lediglich 12 Prozent der Firmen hatten demnach Pläne, ihre Belegschaft zu reduzieren.

Interessant ist der Vergleich mit den vorherigen Konjunkturumfragen des DIHK, die dreimal jährlich durchgeführt werden. So planten im Frühsommer 2010 erst 16 Prozent, zusätzliches Personal einzustellen während 15 Prozent Stellen abbauen wollten. Anhand der folgenden Tabelle lässt sich gut erkennen, dass mit der Frühjahrsumfrage ein Gleichgewicht bzgl. Einstellen/Entlassen erreicht war und jetzt klar ein Trend hin zur Schaffung neuer Arbeitsplätze erkennbar ist.

Die Grafik zeigt es: Ab jetzt wird wieder eingestellt

Personalbedarf Umfrage des DIHK
Personalbedarf Umfrage des DIHK

Branchen mit einem zusätzlichen Personalbedarf

Der Wille von Unternehmen, tatsächlich neue Arbeitsplätze zu schaffen, ist von Branche zu Branche verschieden. Während im Bausektor auch jetzt noch mehr Firmen einen Abbau von Arbeitsplätzen planen als Firmen neue Stellen schaffen möchten (gegenüber der Frühsommerumfrage haben sich die Werte hier sogar noch leicht verschlechtert) ist in anderen Zweifen eine deutlich höhere Bereitschaft zur Schaffung von Arbeitsplätzen vorhanden. Beim Bau wirkt sich als ein wichtiger Faktor das Auslaufen der Konjunkturprogramme aus, von denen insbesondere der Tiefbau profitieren konnte.

Besonders stark zieht die Industrie an, gerade auch wenn man die Werte der beiden letzten Befragungen miteinander vergleicht. Der Untschied von Firmen, die einstellen zu Firmen, die entlassen macht hier 9 Prozentpunkte aus. Besonders positive Tendenzen sind hierbei bei den Unternehmen aus der Elektrotechnik und mit etwas Abstand bei Maschinenbaufirmen zu erkennen. Sehr optimistisch geben sich auch Betriebe der Metallerzeugung und der Gummi- und Kunststoffindustrie.

Aber auch in der Industrie gibt es Branchen, die weiter Personal reduzieren: Insbesondere im Bergbau und um Druckgewerbe lassen sich solche Pläne aus der Umfrage ablesen.

Insgesamt also positive Nachrichten für den deutschen Arbeitsmarkt. Und auch der Vermittlungsgutschein sollte als marktnahes Element bei der Besetzung neuer Stellung unter diesen wirtschaftlichen Vorzeichen wieder vermehrt genutzt werden.