Vorstand der BA verdient auf Kanzler-Niveau

Leider konnten wir im Geschäftsbericht der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2011, der am 4. April 2012 vorgestellt wurde, überhaupt keine Informationen zum Vermittlungsgutschein finden. Bedauerlich, dass ein solch erfolgreiches Instrument, dass Jahr für Jahr Tausende Menschen in sozialversichungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse führt, in der Außendarstellung der BA eine offensichtlich untergeordnete Rolle spielt. Hier wird der Geschäftsbericht 2012 zum Download bereitgestellt. (Link am 24.11.2014 aktualisiert)

Frank Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit
Frank Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, und seine Vorstandskollegen verdienen auf Kanzlerniveau

Dafür ist uns etwas anderes aufgefallen: ohne jetzt eine Neid-Debatte zu beginnen sind die Bezüge der BA-Vorstände doch erstaunlich hoch. Man könnte durchaus von einem Einkommen auf Niveau der Bundeskanzlerin sprechen.

Hier der entsprechende Absatz des Geschäftsberichts:

Während des abgelaufenen Jahres wurden die Geschäfte der BA durch Herrn Frank-J. Weise
(Vorstandsvorsitzender), Herrn Heinrich Alt (Vorstandsmitglied) und Herrn Raimund Becker (Vor-
standsmitglied) geführt. Die an die Mitglieder des Vorstands ausgezahlten Bezüge beliefen sich
im Jahr 2011 insgesamt auf rund 730.000 Euro.

Eine Aufschlüsselung fehlt, aber es darf unterstellt werden, dass der Chef der Arbeitsagentur, Frank Weise, einen etwas größeren Anteil als seine beiden Kollegen erhält.

Und wie viel verdient nun die Bundeskanzlerin? Laut Wikipedia erhält sie 226.000 € pro Jahr (Besoldungstabelle von 2009. Hinzu kommen beamtenrechtliche Zuschläge in Höhe von etwa 22.000 €. Die Bundesregierung hat sich übrigens gerade eine Gehaltserhöhung genehmigt, bis August 2013 werden Kanzlerin und Minister um insgesamt 5,7 Prozent mehr verdienen.

Wir wollen – und können auf die Schnelle – jetzt nicht genau nachrechnen, was nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben am Ende herauskommt, auch die Versorgungsleistungen – kurz das gesamte „Package“ – dürfte etwas unterschiedlich ausfallen. Und doch ist es äußerst interessant zu sehen, dass im Vorstand der BA – hierbei handelt es sich immer noch um eine bundesunmittelbare Körperschaft des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht des Bundesministerium für Arbeit und Soziales untersteht – in etwa genau so viel verdient wird wie „zwei Etagen höher“, die Kanzlerin steht ja über dem zuständigen Minister für Arbeit und Soziales.

Kommentare sind immer, hier sogar besonders willkommen!

5 Gedanken zu „Vorstand der BA verdient auf Kanzler-Niveau“

  1. Interessant sind nicht nur die Bezüge sondern auch die Lebensläufe der Vorstandsmitglieder. Alle 3 haben nach dem Studium einen Job im Schutzbereich des Staates gesucht, sei es direkt im Amt oder bei der Bundeswehr.

    Wenn jetzt Herr Alt anderen „Anspruchsdenken“ vorwirft, wird damit angesichts des eigenen Lebenslaufs und Einkommens schon eine beachtliches Maß an mangelnder Selbstreflektion deutlich.

    Wenn es im Vorstand niemanden gibt, der in seinem Leben schon einmal richtig gearbeitet hat, dafür aber seine Karriere zu einem großen Teil immer anderen verdankt hat, sich selbst aber einreden muss, damit das eigene Selbstwertgefühl nicht zu sehr leidet, alles aus eigener Kraft geschafft zu haben, dann hat das zur Folge, das es in der Führung der BA niemanden gibt, der aus eigener Erfahrung ein Verständnis für die Sorgen und Nöte der Menschen aufbringen kann, um die sich die BA kümmern soll. Und es ist anzunhemnen, dass dieses Problem nicht nur die 3 ander Spitze der BA betrifft.

  2. BA-Bezüge Vorständler (2011)

    Man rechnet bei 5 Vorständlern übern Daumen Summe geteilt durch 6, so daß VV etwa 2/3 und Vertreter etwa 1/3 mehr als die übrigen drei kriegt. Nach diesem Muster würden, mal von diversen anderen Vergünstigungen ganz abgesehn, nur auf der Geldebene Weise etwa 312.000 Teuro per annum und die anderen beiden Herren jhl. 209.000 Teuro erhalten (-> Summe = 730.000 Teuro),

  3. Update: Für das Jahr 2012 haben sich die Bezüge auf 793.000 Euro erhöht (ein Plus von 8,6 Prozent gegenüber 2011).https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mta3/~edisp/l6019022dstbai442856.pdf?_ba.sid=L6019022DSTBAI442859

    Und laut Haushaltsplanung hat sich das Soll für 2013 auf insgesamt 850.000 Euro erhöht, für 2014 ist ein Soll von 900.000 Euro vorgesehen.
    Quelle: Haushaltsplan 2014.

  4. Für die Statistiker: 730 Tsd. auf 900 Tsd. – das ist ein Plus von über 23 Prozent! Die 900.000 Euro sind im Haushaltsplan auf zwei Positionen verteilt, also nicht verwirren lassen!

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